|

Unter Scharlachrennen verstand man im Mittelalter Pferdeflachrennen, für die als erster und wertvollster Preis ein scharlachfarbenes Tuch ausgesetzt war, aus dem der Gewinner, ein Kleid fertigen lassen konnte. Der Letzte erhielt ein Schwein – ein besonderer Anreiz für alle, die keine Siegchance hatten, mit List und Geschick an das Ende des Rennfeldes zu gelangen. Das erhöhte während dem Rennen das Amusement und die Spannung.
1438: Das Geburtsjahr des Scharlachrennens in Nördlingen Scharlachrennen gab es in nicht nur in Nördlingen, sondern unter anderem auch zum Beispiel in Wien, München und Augsburg. Die Rennen wurden zeitgleich mit einer Messe bzw. einem Markt veranstaltet und waren ein wichtiges Marketinginstrument um Besucher in die Stadt zu locken. In Nördlingen war dies die Pfingstmesse. Das Nördlinger Scharlachrennen ist urkundlich erstmals 1438 erwähnt. Ort des Geschehens war die Keirwiese vor dem Baldinger Tor, heute Kaiserwiese genannt. Ein langwieriger Rechtsstreit (1494-98), den Hans von Hohenheim gegen Nördlingen führte, weil es ihm den Scharlach nicht zuerkannt hatte, drohte schon damals dem Rennen ein Ende zu bereiten. Aber König Maximilian (als Kaiser Maximilian 1.) ermunterte 1496 die Stadt zur weiteren Abhaltung des Reiterspieles. Im Jahre 1524 fand es zum letzten Mal statt. Der Bauernkrieg von 1525 ließ es in Vergessenheit geraten.
1948: 1. Pfe rdeleistungsschau zählt 30.000 Besucher - Hans Günter Winkler am Start 1948 wurde es in etwas veränderter Form durch S. D. Carl Friedrich Erbprinz zu Oettingen-Wallerstein mit tatkräftiger Unterstützung heimatliebender und reitsportbegeisterter Männer wieder ins Leben gerufen. In diesem Jahr zählte die Pferdeleistungsschau 30.000 Besucher!
1950 waren es bereits 50.000 Besucher. Der Fremdenverkehr erlebte durch das Turnier einen Boom. Die in Nördlingen eintreffenden Züge waren überfüllt, weitere Zuschauer reisten mit Bussen an. Auf dem Parkplatz zählte man 1200 Autos – für die damalige Zeit eine Sensation. 1948 ritt auch Hans Günter Winkler zum ersten Mal auf der Kaiserwiese. Heute ist der fünffache Olympiasieger der Motor des Turniers und Miteigentümer der Scharlachrennen GmbH. In den Starterlisten der folgenden Jahre finden sich Namen wie Fritz Thiedemann, Alwin Schockemöhle, Hugo Simon und viele mehr.
Noch mehr Prominenz auf der Kaiserwiese Leider verlor die Bevölkerung mit der Zeit das Interesse am Reitturnier. 1969 zählte man nur noch 11.000 Zuschauer. Dank dem großen Engagement von Fürstin Delia zu Oettingen-Wallerstein, dem Freundeskreis Scharlachrennen und Hans Günter Winkler fanden die Turniere auf der Kaiserwiese weiterhin statt. Auf den Starterlisten der 90er Jahre lesen sich Namen wie Heike Kemmer, Ulla Salzgeber und Christina Liebherr – und immer wieder Hugo Simon. Das Scharlachrennen war nach wie vor eines der größten Turniere in Süddeutschland. Auch die Süddeutschen Championate fanden auf der Kaiserwiese ab 2003 eine neue Heimat. 
2008: Das erste internationale Springturnier 2007 beschloss Hans Günter Winkler, daß endlich der Schritt zu einem CSI, sprich internationales Turnier, vollzogen werden muss, um das Turnier auf ein zeitgerechtes Level zu bringen. Eigens dafür wurde die Scharlachrennen GmbH gegründet.  Gleich beim ersten CSI*** Nördlingen siegte kein geringerer als Marcus Ehning auf der bayerischen Stute Sabrina. Auch Bundestrainer Otto Becker, Hugo Simon, Felix Hassmann und zahlreiche Reiterprominenz aus 14 verschiedenen Nationen waren 2008 auf der Kaiserwiese am Start.
Â
|